erreichen während dieser Tage gehäuft die Empfänger.
Sie werden zwar zur Kenntnis genommen, aber auch schnell wieder vergessen. Dabei wurde jeder Gruß bestimmt mit Liebe versandt, in Gedanken an den Empfänger. Und da frage ich mich: warum muss man zu Weihnachten so viele Grüße versenden, wenn man es doch das ganze Jahr über tun könnte?
Braucht man einen Anlass, sich wieder zu melden? Muss man nur einmal jährlich seine Adressenkartei durcharbeiten, um auf sich aufmerksam zu machen? So ungefähr: schaut, ich lebe noch, bis zum nächsten Jahr Weihnachten, auf Wiedersehen! Wer würde sich nicht freuen, wenn er mitten im Jahr einen Gruß eines lieben Menschen bekommt, der an einen gedacht hat? Einfach so und ohne Anlass. Mit dem Schenken ist es genauso. Man verbringt die Wochen vor Weihnachten damit, durch Kaufhäuser zu irren, um nach originellen Geschenken zu suchen. Krampfhaft seine Liste abzuarbeiten, wem man alles etwas schenken muss. Wer würde sich nicht freuen, einfach so und ohne Grund etwas geschenkt zu bekommen? Und vor allem: die Freude des Schenkenden ist dann auch viel größer. Und muss es immer etwas Wertvolles sein, was man verschenkt?  Wie wäre es damit, etwas viel Schöneres zu verschenken, was gar kein Geld kostet? Zeit, Liebe, Zärtlichkeit, Aufmerksamkeit? Zuhören, den normalen Tagesablauf unterbrechen und sich konzentriert seinem Gegenüber widmen? Sich mit Menschen beschäftigen, die man zwar kennt, die aber das ganze Jahr über gar nicht merken, dass man vorhanden ist? Das sind Gedanken, die mich gerade in dieser geschäftigen Zeit vor Weihnachten jedes Jahr aufs Neue beschäftigen. Denkt doch auch einmal darüber nach!

Schenken

Schenke groß oder klein, aber immer gediegen.
Wenn die Bedachten die Gaben wiegen,
sei dein Gewissen rein.

Schenke herzlich und frei.
Schenke dabei, was in dir wohnt
an Meinung, Geschmack und Humor,
sodass die eigene Freude zuvor
dich reichlich belohnt.

Schenke mit Geist ohne List.
Sei eingedenk, dass dein Geschenk
du selber bist.

Joachim Ringelnatz

In diesem Sinne:

auch von mir liebe Grüße zum Weihnachtsfest. Genießt die Stunden im Kreise der Familie, macht was draus, dass ihr Gelegenheit habt, mit euren Lieben in Ruhe zusammen zu sitzen. Es ist nicht wichtig, aufgrund eines besonders gut gefüllten Magens gesättigt zu sein, sondern, dass man Gelegenheit hatte, miteinander zu reden. Da denke ich übrigens gerne an meine Jugend zurück: wir hatten nicht viel, aber wir hatten uns. Wir bastelten und handarbeiteten in der Adventszeit heimlich mit der Oma, um die Eltern zu überraschen. Wir brauchten keine Kundenkarte, um die Präsente bezahlen zu können. Uns hat das Schenken glücklich gemacht, denn wir hatten unsere ganze Liebe investiert.

Alles Gute für die letzten Tage dieses Jahres, und vor allem: Auf ein Neues!
Eure Hanni